Hintergrund

Asylbewerber und Migranten in der Stadt Spenge

(Stand: August 2016)

Zahlen und Fakten

In Spenge leben zum Stichtag 1.August 2016 249 Asylbewerber und Asylbewerberinnen. Anfang 2016 waren es ca. 320 Personen. Allein im November und Dezember 2015 sind jeweils mehr als 90 Personen von der Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen worden.

Im 1. Halbjahr 2016 haben ca. 70 Personen Spenge wieder verlassen. Vornehmlich aus den Balkanländern sind Asylanträge abgelehnt worden. Diese Menschen kehrten in ihre Heimatländer zurück. Ca. 30 Personen sind aus Spenge mit unbekanntem Ziel abgereist. Ca. 20 Personen haben eine Anerkennung und damit eine Aufenthaltserlaubnis in Deutschland bekommen. Seit Januar 2016 hat es nur wenige Zuweisungen nach Spenge im Rahmen von Familienzusammenführungen gegeben.

Es kommen viele alleinstehende junge Männer im Alter von unter 20 – 30 Jahren, Frauen kommen kaum allein, eher als Familienfrauen. Der Anteil der Kinder im Babyalter bis zu 18 Jahren liegt bei ca. 70 Kindern. Die Kinder im Grundschulalter besuchen die Grundschule Spenge/Hücker-Aschen, wenige ab dem neuen Schuljahr die Grundschule Spenge Land. Die älteren Kinder gehen in die Seiteneinsteigerklassen in Enger am Gymnasium und die meisten in die Internationale Klasse an der Gesamtschule Spenge. Etliche Kleinkinder haben einen Kita-Platz in den unterschiedlichen Einrichtungen der Stadt, einige stehen noch auf einer Warteliste.

Herkunft und Fluchtursachen

Die Flüchtlinge kommen aus 3 Kernbereichen der Welt:Fluchtländer

  • Arabisch-asiatischer Bereich: z.B. Afghanistan, Irak, Iran, Syrien, Libanon, Aserbaidschan, Pakistan
  • Afrika: Nigeria, Ghana, Guinea, Eritrea
  • Balkanländer: Albanien, Mazedonien, Bosnien, Serbien, Kosovo.

Die Fluchtgründe sind sehr unterschiedlich: Krieg, politische Verfolgung, religiöse Unterdrückung, Korruption, Armut, Umweltkrisen.
In der Genfer Flüchtlingskonvention sind die Asylgründe definiert. Außerdem regeln Asylgesetze den Aufenthalt und Status der Flüchtlinge in Deutschland. Die Menschen kommen aus Kriegs- und Krisengebieten und den sog. sicheren Herkunftsländern. Man unterscheidet Migranten und Flüchtlinge. Migranten kommen aus Gründen einer besseren Lebensperspektive, Flüchtlinge kommen aus der Gefahr vor Verfolgung und Tod.

Unterkunft und Zuwendungen

Die Flüchtlinge in Spenge wohnen in Übergangsheimen und in diversen angemieteten Wohnungen. In den Wohnungen leben überwiegend Familien mit Kindern mit einer Bleibeperspektive.
Die Anzahl der Asylbewerber ist seit 2012 stetig angestiegen: 2012 wurden 7 Personen aufgenommen, 2013 waren es 14 Personen, 2014 47 Personen und 2015 mehr als 250 Personen, 2016 bisher wenige Personen in Familienzusammenführung. Die Asylbewerber haben Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Alleinstehende erwachsene Personen erhalten bei Unterbringung in einem Übergangsheim aktuell 327,98€/Monat (359,00€ Regelsatz). Andere Personen – je nach Stellung im Haushalt oder Alter – zwischen 295,07€ (323,00€ Regelsatz) und 210,61€ (217,00€ Regelsatz). Für die Unterbringung (Miete) einschließlich Heizung, Energie- und Nebenkosten erhebt die Stadt Spenge eine Gebühr von 126,90€ pro Person. In den privat angemieteten Wohnungen bezahlen die Mieter die Energiekosten selbst.

Ansprechpartner

Betreut werden die Flüchtlinge vom Sozialamt der Stadt Spenge, der Ausländerbehörde des Kreises Herford und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Seit Mai 2016 beschäftigt die Stadt Spenge zusätzlich im Sozialamt einen hauptamtlichen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und arabischen Sprachkenntnissen als Integrationsassistenten. Zwei von der Stadt angestellte Hausmeister und ein großes Team ehrenamtlicher Mitarbeiter von Asyl Spenge kümmern sich in Kooperation mit dem Sozialamt der Stadt Spenge um die Unterbringung und sozialen Belange der Flüchtlinge. Regelmäßig Dienstag vormittags bietet der Integration Point des Kreises Herford Gesprächstermine zur Arbeitsmarktintegration und zu Integrationskursen an.

Der ehrenamtlich angebotene Deutschunterricht zweimal wöchentlich und verschiedene Aktivitäten wie Betriebsbesichtigungen, Wanderungen, Ausflüge, Sport, Musik- und Kulturveranstaltungen unter Leitung von Karl Hankel und einen Lehrerteam sind für jeden Flüchtling offen und finden großes Interesse. Dadurch entsteht eine Willkommenskultur vor Ort. Die Koordination von Begleitungen zu Behörden, Arztbesuchen, Suche und Einrichtung von Wohnungen und sonstigen sozialen Fragen haben Annegret Beckmann und ein Team übernommen.

Spenden und Ausgaben

Aus der Bevölkerung kommen viele Spenden wie Kleidung, Wäsche, Haushaltsgegenstände und Möbel, die an die Flüchtlinge weitergegeben werden. Die Wohnungen sind fast komplett mit gespendeten Möbeln eingerichtet.
Gebrauchte Fahrräder dienen der Mobilität und sind sehr hilfreich. Viele Fahrräder sind inzwischen gespendet worden. Die Fahrräder werden auf Verkehrssicherheit überprüft. Der Sicherheitscheck und die Reparaturen haben schon viel Geld gekostet. Der Eigenanteil für ein Fahrrad beträgt 20 €, ebenfalls wird ein Eigenanteil von 20 € für Reparaturen erhoben (seit Februar 2016). Des weiteren muss das Lehrmaterial für den Deutschunterricht finanziert werden, Fahrten und Konzertbesuche (Eigenanteil 5 €) kosten Geld.

Zahlreiche Sponsoring-Veranstaltungen wurden zugunsten der Flüchtlinge organisiert, z. B. Konzerte, Theateraufführungen, Tannenbaumaktion, Kollekten von Kirchen, aber auch viele Einzelspenden. Ein Sponsorenlauf der Regenbogen-Gesamtschule mit vorheriger Information über die Situation von Flüchtlingen speziell auch in Spenge brachte 6.500 €. So haben wir inzwischen ca. 20.000 € Spendengelder bekommen.

Inzwischen sind die Spendengelder fast aufgebraucht, so daß in Zukunft Fahrräder und Reparaturen eigenfinanziert werden müssen.

Verein Asyl Spenge e.V.

Am 16. März 2016 wurde aus der Bürgerinitiative heraus der Verein Asyl Spenge e.V. gegründet. Damit gibt es jetzt einen geschäftsführenden Vorstand, bestehend aus

der Vorsitzenden Annegret Beckmann,
dem Kassierer Karl Hankel,
der Schriftführerin Kristina Schröder.

Neue Mitglieder können sich über die Kontaktseite an uns wenden. Wir freuen uns über weitere Unterstützung.